Methodenschule 2025

DGNet Methodenschule 2025 auf Schloss Thurnau

Die DGNet Methodenschule 2025 markierte den Auftakt eines neuen, jährlich geplanten Weiterbildungsformats der Deutschen Gesellschaft für Netzwerkforschung. Ziel der Methodenschule ist es, Wissenschaftler:innen in unterschiedlichen Karrierestufen sowie fortgeschrittene Studierende bei der Auswahl, Vertiefung und praktischen Anwendung geeigneter Methoden der Netzwerkforschung zu unterstützen. Angesichts der großen methodischen Bandbreite des Feldes schafft die Methodenschule einen Rahmen, in dem zentrale Zugänge der sozialen Netzwerkforschung fundiert eingeführt und anhand konkreter Beispiele praxisnah vermittelt werden.

Die erste DGNet Methodenschule fand vom 6. bis 8. Oktober 2025 auf Schloss Thurnau bei Bayreuth statt. Austragungsort war das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth, dessen besondere Atmosphäre konzentriertes Arbeiten ebenso ermöglichte wie einen intensiven fachlichen Austausch unter den Teilnehmenden. Die Veranstaltung stieß bereits bei ihrer ersten Durchführung auf großes Interesse und sehr positive Resonanz und bildete damit den erfolgreichen Auftakt für die Fortführung des Formats in den kommenden Jahren.

Programm

Die Methodenschule startet mit einer Einführung in die Konzepte und die Methoden der sozialen Netzwerkanalyse durch PD Dr. Markus Gamper, Universität zu Köln, (4 Einheiten à 90 Min.). In diesem Teil der DGNet Methodenschule werden wir die Grundlagen des relationalen Denkens und die Unterschiede zwischen quantitativer und qualitativer Netzwerkforschung erkunden. Wir werden die Vorteile und Grenzen von egozentrierten und Gesamtnetzwerkanalysen verstehen, wichtige Theorien vorstellen und unterschiedliche Erhebungsverfahren, wie beispielsweise Namensgeneratoren, diskutieren. Mithilfe klassischer Studien und neuerer Forschungsergebnisse werden wir die Anwendung von Netzwerkforschung nachzeichnen und verstehen, wie sie in verschiedenen Kontexten Anwendung findet.

Am zweiten Tag teilen sich die Teilnehmer auf drei parallel laufende Workshops auf, in denen in 5 Einheiten à 90 Min. jeweils eine spezielle Methodik vertieft erarbeitet wird. Die Methodenschule schließt am Nachmittag des 8.10. mit einer Keynote zu den Tendenzen er Netzwerkforschung durch den Vorsitzende der DGNet Prof. Dr. Christian Stegbauer (Universität Frankfurt).

Qualitative Netzwerkanalyse

Datenerhebung und Analyse von qualitativen Netzwerkdaten, Interpretation von qualitativen Netzwerkdaten via QSA, Diskursnetzwerkanalyse mit Discourse Network Analyzer und Visualisierungen mit Visone (PD Dr. Melanie Nagel, Uni Heidelberg/Uni Tübingen; Dr. Andreas Herz, Deutsches Jugendinstitut München e.V.)

Die Analyse von längsschnittliche Netzwerkdaten

Die Analyse von längsschnittliche Netzwerkdaten mit RSiena wird von Dr. Heike Krüger (RWTH Aachen & Universität zu Köln) und Prof. Dr. Steffen Triebel (Aarhus University) gelehrt. RSiena ist ein Package in R zur Modellierung von Netzwerkdynamiken – es ermöglicht die Analyse von Veränderungen in sozialen Netzwerken über die Zeit hinweg auf Basis längsschnittlicher, kompletter Netzwerkdaten. Anhand praxisnaher Beispiele lernen die Teilnehmenden: die Daten in das passende Format zu überführen, auf Basis von Hypothesen eigene Modelle zu spezifizieren, Ergebnisse zu interpretieren und typische Herausforderungen bei der Anwendung von RSiena zu erkennen und zu bewältigen.

Extraktion von Daten aus Textdokumenten und ihre Analyse

Mit der Extraktion von Daten aus Textdokumenten und ihre Analyse wird sich Prof. Dr.-Ing. Norbert Luttenberger (Uni Kiel) beschäftigen: Das Forschungsinstitut für Musiktheater stellt hierfür einen geschlossenen, unbeforschten Bestand aus seinem Programmheftearchiv zur Verfügung, an dem wir nach entsprechender Vorbereitung den Weg von der XML-basierten Codierung von Texten, die Verarbeitung mit der Programmiersprache Python und dem Python-Paket NetworkX, bis hin zum fertigen Graph und dessen netzwerktechnischen Analyse praxisnah nachvollziehen werden.

Austausch und Atmosphäre

Neben der fachlichen Weiterbildung war die DGNet Methodenschule 2025 auch ausdrücklich als Ort der Vernetzung konzipiert. Gemeinsame Abendessen und weitere Socializing-Formate boten Gelegenheit zum informellen Austausch zwischen Teilnehmenden und Dozierenden.

Mit Schloss Thurnau bot die erste Methodenschule dafür einen besonders passenden Rahmen. Die historische Umgebung und die Einbettung in das Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth schufen eine Arbeitsatmosphäre, die konzentriertes Lernen mit intensiver Diskussion und persönlicher Begegnung verband.

Die DGNet Methodenschule 2025 wurde von einem Organisationskomitee getragen, dem Daniel Reupke, Norbert Luttenberger, Melanie Nagel und Heike Krüger angehörten. Wir bedanken uns für das rege Interesse!